KulturWerk

ganze Ablehnen und Zustimmen ist also ein Teil von mir, also könnte es auch ein Bild von mir sein. Also könnte ich auch sagen, ich mache mehrere Gurken, und diese Arbeit heißt: „Ich als Essiggurkerl“. Im Salzburger Festspielhaus sehen wir dann also Ihr Porträt? Da gibt’s dann große Gurken! Da werden wir dann Essiggurken haben, aber niemand wird verstehen, dass es eigentlich Erwin Wurm ist? Nein, das bin auch nicht ich! Es sind fünf Essiggurkerl, die da stehen, statuarisch. Man braucht ja nicht sagen, woran Essiggurkerl auch erinnern – das sind ja auch Synonyme für eine erWin Wurm Lebensmotto: Auf zu neuen Ufern! ganz bestimmte Haltung und Darstellung von Körperteilen usw. (lacht) Da bin ich sehr froh, dass Sie das mit den Körperteilen sagen … Eine ganz frühe Arbeitsgruppe von Ihnen sind die „Staubskulpturen“, kleine Flächen aus Staub. Es heißt ja: „Aus Staub sind wir geboren, zu Staub werden wir“. Wie weit arbeitet Erwin Wurm gegen die Vergänglichkeit? Ja, also wahrscheinlich wie jeder andere. Natürlich bin ich mir dessen „ich wollte keiner jener professoren werden, die aus neuseeland faxe schicken und den studenten mitteilen, was sie machen sollen“ bewusst, dass es diese Vergänglichkeit gibt. Ich bin sozusagen empört, dass es, wenn man älter wird, immer besser geht. Dass man diese Welt besser versteht – oder sich zumindest einbildet, dass man sie besser versteht und sich besser in ihr zurechtfindet. Und dann muss man irgendwann abtreten, wenn man es am besten kann. Das war ja vorher nicht ausgemacht, das ist natürlich etwas, das einen empört. Aber ich bin jetzt nicht jemand, der arbeiten muss, damit er nicht vergessen wird. Das kommt aus einem anderen Drang heraus – dem Drang, etwas zu gestalten, etwas zu machen. Ich mache es ja nicht nur mit meinen Skulpturen so, sondern auch mit dem Unterrichten, ich bau ständig in meinem Haus am Land um, ich mache Hügel als Skulpturen ... Also der Drang, etwas zu gestalten, ist sehr stark. Warum haben Sie aufgehört, zu unterrichten? Ich habe gemerkt, dass meine Arbeit immer intensiver wird. Ich könnte der versprochenen Verpflichtung nicht mehr nachkommen, jede Woche bei den Studenten zu sein. Ich wollte keiner jener Professoren werden, die aus Neuseeland Faxe schicken und den Studenten mitteilen, was sie machen sollen. Das wollte ich nicht, da höre ich lieber auf! Was Erwin Wurm macht, will er auch ganz machen? Ja, es war wirklich toll, mit den jungen Leuten zu arbeiten, ich habe viel zurückbekommen. Aber acht Jahre sind lang genug, und ich finde es auch gut, wenn andere, junge Leute nachkommen und das machen. Man muss ja nicht sitzen bis in alle Ewigkeit. Damit wir nicht sitzen bis in alle Ewigkeit – ich danke Ihnen für das Gespräch. Ich danke Ihnen. 107

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