12 Also ziemlich viele Kriterien? In diesem Fall, beim „Jud Süß“, war es eine andere Sache, weil ich das Buch bekommen habe von Franz Nowotny, das hat mich fasziniert, die Rolle hat mich klarerweise fasziniert. Allerdings habe ich gedacht, da ist auch Glatteis, da braucht es jemanden, der das sicher wohin führt. Und als dann klar war, dass Oskar Röhler Regie macht, habe ich sofort zugesagt. Der ist ja auch ein Verführer. Mir fällt auf, dass du oft besonders charismatische historische Figuren spielst – Andreas Hofer, Erzherzog Johann, vden Heiligen Josef … Ja, der Heilige Pepi … Mich interessiert: Wie schaut es aus mit dem narzisstischen Anteil beim Schauspieler? Also, ich war noch nie auf der Couch, muss ich sagen ... Vielleicht auch lieber nicht. Viele Künstler fürchten, dass nach einer Therapie ihre Kreativität verloren geht. Ach nein, ich fände das spannend, weil ich glaube, dass man sogar dort geneigt ist zu lügen, wenn es ans Eingemachte geht. Und der Analytiker würde es womöglich nicht einmal merken – das würde dann den wirklich guten Schauspieler ausmachen! Aber wann sind dann die Momente, wo man weiß, jetzt kann man sich selber nicht mehr belügen? Realisiert man die noch oder schleift sich das im Laufe eines SchauspielerLebens ab? Auf keinen Fall funktioniert das, wenn es läuft, wenn man in einem Hoch ist. In so eine Zone kann man nur geraten, wenn man platt ist, wenn man unten ist. Wenn man sozusagen mit dem Rücken an der Wand steht, wenn man sich im Spiegel anschaut, aber nicht äußerlich … Bist du ein Mensch, der keine Grenzen akzeptiert? Für mich bist du zumindest ein Mensch, der Grenzen extrem auslotet. Das kann sein. Nicht akzeptieren – das glaube ich nicht. Ich habe nicht dieses faustische Problem, dass ich keine Grenzen akzeptieren kann. Ich weiß schon, wo mein Platz ist in dem Leben, aber ausreizen, ausloten und Übertretungen – das ist wie ein Motor, ein stän- diger Impuls, ein Schwungrad, ja, das kann schon sein ... Ich sage immer, du musst einmal Peer Gynt spielen, denn da geht es genau darum: lebenslang Grenzen auszuloten. Aber warum bist du nach Peter Simonischek eigentlich nicht der neue Jedermann geworden, du warst ein so grandioser Teufel! Man hat mich gefragt! Aber nach diesen vier, fünf Jahren Salzburg, in denen ich einen Sommer lang sogar König Ottokar und den Lustigen Gesellen/Teufel parallel gespielt hab, hab ich eigentlich keine wirkliche Lust mehr gehabt. Zumal ich auch geglaubt habe, dass das Stück in seiner moralinsauren Berechtigung letztendlich in der heutigen Zeit absurd ist. Aber ich hab es dann in der neuen Besetzung gesehen, und die haben alles mit so einer Freude, so einem Spaß und so einer Freiheit neu aufgestellt! Auch dass sie diese doppelte Hürde – Glaube und Gute Werke – beseitigt haben, dass sie daraus eine einzige, starke Figur gemacht haben,
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