KulturWerk

nismus, Kapitalismus. Ich hab das nicht verstanden. Und der Holocaust! Es ist alles so grauenhaft. Dafür bin ich wirklich dankbar, dass ich in der heutigen Welt lebe, dass ich eine Alm habe, das hat ja auch nicht jeder. Dafür bin ich meinen Großeltern unendlich dankbar, dass sie mir das hinterlassen haben. Noch dazu ist es der Platz, an dem ich gezeugt worden bin! Maximilian Schell und die Frauen – das ist ein eigenes Kapitel. Du hast einmal gesagt: „Frauen haben mir im Leben viel mehr gegeben als Männer.“ Du warst lange Junggeselle, hast spät geheiratet, bist wieder Junggeselle. Die schöne junge Sängerin Iva Mihanovic ist jetzt an deiner Seite. Ein lebenslanger Junggeselle, aber lebenslang adoriert vom weiblichen Geschlecht? Das ist der Sinn des Lebens. (lacht) Hast du ihn also doch gefunden, den Sinn des Lebens? maXimilian schell Lebensmotto: Der Versuch allein ist das Wunder. ALBERTO GIACOMETTI Ja, dass es weitergeht ... Nur warum das alles so ist, das verstehe ich nicht. Aber ich werde es sicherlich irgendwann verstehen. Denkst du über den Tod nach? Natürlich, jeden Tag. Wirklich? Ja, aber auch schon als junger Mensch, immer. In einer belastenden Form oder in einer philosophischen Form? Beides. Natürlich ist es merkwürdig, das unbekannte Land, von dem bisher kein Wanderer je wiedergekehrt ist. Natürlich ist das merkwürdig. Alles Unbekannte ist „die sachen, die ich mir wünsche, die kann man mir gar nicht schenken“ merkwürdig. Man hat ja auch manchmal Angst davor. Manchmal hat man Vertrauen – so wie zum Schlaf. So wie Sokrates es gesagt hat, bevor er zu Tode verurteilt wurde: „Es ist gar nicht so schlimm, denn eins von beiden ist der Tod: Entweder ein ewiger Schlaf – und wenn ich die Nacht nehme, in der ich so gut geschlafen habe, dass ich nicht einmal geträumt habe, dann kann ich mir nichts Schöneres vorstellen. Oder es ist eine Welt, wo man denen begegnet, die schon vor uns weggegangen sind und die bereits in einem anderen Leben sind.“ Nur, da hat er nicht ganz Recht, denn wenn es ein ewiger Schlaf ist, dann kann man den ja nur beurteilen, wenn man wieder aufwacht. Ich kann nur sagen, es war ein wunderbarer Schlaf, wenn ich wieder aufwache. Aber wenn ich nicht mehr aufwache, was ja ein ewiger Schlaf wäre, dann wüsste ich ja nichts. (lacht) Du hast es sowieso gut! Es gibt eine Statistik, dass männliche Oscar­ Preisträger fünf Jahre länger leben als Schauspieler, die keinen Oscar gewonnen haben. Es hat sich jemand die Mühe gemacht und das wirklich von Beginn der Oscar­Verleihungen an durchgerechnet. Was wünsche ich dir also zum Geburtstag? Eigentlich nichts. Die Sachen, die ich mir wünsche, die kann man mir gar nicht schenken. Das sind alles Sachen, die nicht schenkbar sind. Das fand ich so schön von Hermann Hesse. Er hat meine Mutter gekannt, und sie hat ihm einmal angeboten, ihm ein Diktaphon zu schenken. Er hat ihr in seinem Brief geantwortet: „Das brauche ich nicht, ich schreibe mit der Hand, aber allein dass Sie mir das anbieten, genügt mir schon. Denn ich unterscheide nicht mehr zwischen gedanklichen Geschenken und echten Geschenken.“ Dann schenke ich dir Liebe, Gesundheit, dass du lange bei uns bleibst, dass es dich gibt ... Und ich erzähl dann in der anderen Welt, wie es hier war … 47

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