Spüren Sie, ob Sie gut sind, ob Sie schlecht sind? Ja, ja, ich hab’s mir die längste Zeit nicht zugestanden, ich dachte immer, das geht nicht und ich will es auch gar nicht, weil es mich beeinflusst. Das tut es wahrscheinlich auch, wenn man jünger ist. Ein Vorteil vom Reiferwerden, Alter und von Erfahrung überhaupt ist, dass man Dinge, die man erlebt und erfahren hat, mit der Zeit weniger als störend denn als bereichernd empfindet und lernt, damit umzugehen: die Angst vor einer Premiere, die Unsicherheit, eine Rolle bewältigen zu können, einen neuen Zugang zu finden, authentisch zu sein, jedes Mal neu zu sein, auch wenn man die Vorstellung schon zwanzigmal gespielt hat. Da hilft einem Erfahrung natürlich, obwohl man in den seltensten Fällen etwas dazu tun kann, etwas zum Positiven zu beeinflussen. Es hilft dann vielleicht für die nächste Vorstellung. Man erfährt es, aber in den wenigsten Fällen kann man eine Vorstellung, die nicht gut oder falsch läuft, wirklich ändern. Was hilft, ist, wenn man es bewusst spürt und es akzeptiert. Man kann sie zumindest nicht ganz abschmieren lassen. Wenn man jung ist und in einer Panik glaubt, es herumreißen und etwas dagegen tun zu müssen – in der Regel geht es dann erst recht in die Hose! Sie haben einmal gesagt, Ihr Schauspielerideal ist der Schauspieler, der auf der Bühne oder im Film spielt, und wenn es vorbei ist, nicht mehr als Schauspieler erkannt wird. Nähern Sie sich dem Ideal? Ich glaube nicht, Ihr Ruhm und Ihre Bekanntheit steigen eigentlich ständig an. Irgendwann werden Sie sich dem Erfolg „hingeben“ müssen? Das ist schon lange ein Traum, aber in der handgreiflichen und realen Welt sowieso Karl marKovics Lebensmotto: Alles ist besser als nichts. ein Ding der Unmöglichkeit, eine naive Wunschvorstellung! Aber ich bin nicht ganz davon abgekommen, weil man schon einen Teil davon für sich ins Leben retten kann. Nämlich nur für einen selbst – wie einen die anderen sehen oder aufnehmen und wiedererkennen, das ist natürlich nicht mehr meine eigene Sache. Aber wie ich selbst damit umgehe, ob ich mich jetzt ständig darin bade und die Bestätigung im Erkanntwerden suche oder ob ich mich rar mache … Dann kann ich daraus, und das tue ich eigentlich in der Regel immer, wieder Energie für Neues schöpfen. Und wo verbergen Sie Ihre Eitelkeit? Immer weniger, was gut ist. Also, heute gestehe ich mir meine Eitelkeiten weitaus eher zu als früher. Ich kann trotzdem im- „heute gestehe ich mir meine eitelkeiten weitaus eher zu als früher“ mer noch nichts gegen meine Bescheidenheitsreflexe machen, die natürlich im Endeffekt nur Selbstschutzreflexe sind. Wenn man es kleinredet, was man macht, oder es relativiert, schützt man sich natürlich gegen negative Kritik – das ist mir natürlich mittlerweile bewusst. Ich denke aber, es hält sich beides in erträglichen Grenzen. Also, es ist noch nicht auf dem Weg zum Therapiezwang! Was uns eint – wir haben beide noch kein Handy. Ja. Sie haben aber zumindest ein Familien Handy! Das ja, das gibt’s! Das hat dann immer jemand, entweder meine Frau oder ich, einen Tag oder über eine längere Zeit … Wo man weiß, es ist ganz gut, dass die Familie auch auf diesem Weg Verbindung hat. Tatsächlich habe ich im Zuge des Drehens erstmals für längere Zeit konstant ein Handy gehabt, zwangsläufig, weil die Produktion wird wahnsinnig, mein Produktionsleiter wird wahnsinnig, wenn er mich nicht erreichen kann, und hin und her. Es war aber überhaupt kein Problem, dann danach darauf zu verzichten. Also, ich bin jetzt nicht plötzlich süchtig geworden, sondern habe gemerkt, ich kann auch nachher ohne Handy leben! Wir sollten eigentlich eine Wette abschließen, wer von uns beiden es länger durchhält! (lacht) Das könnten wir machen. In einem Fragebogen haben Sie gesagt, Sie backen gerne Gugelhupf und Biskuitroulade. War das ein Scherz? Nein, gar nicht, nicht ausschließlich das. Also, bei uns ist es so: Kochen macht meine Frau, Backen mache ich. Mehlspeisen, Nachspeisen, das ist meine Domäne! Wenn ich eine gutes Rezept für Linzer- Torte brauche, melde ich mich! (lacht) Gut. 87
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