VBT 2010/3

thema spielregeln Arbeiten im Ausland ist für viele junge Menschen ein Traum. Die Erfahrungen, die dabei gemacht werden, schmücken nicht nur den Lebenslauf, sondern erweitern auch den Horizont. Seinen Mitmenschen mit Achtung und Respekt zu begegnen, ist eine Sache der Ehre und des guten Benehmens – gleichgültig, wohin uns das Leben führt, sei es der Supermarkt um die Ecke oder der Verhandlungstisch in einem Wolkenkratzer in Hongkong. Oft ist es aber nicht so leicht, kulturelle Unterschiede zu überwinden und der Traum des eigenen Auslandsaufenthaltes kann zur Feuerprobe werden. Wer in einem anderen Land arbeiten möchte, sollte sich im Vorfeld über den örtlichen Verhaltenskodex schlaumachen. Länderspezifische Eigenheiten zu akzeptieren und auf diese in einem angemessenen Maß einzugehen, ist ein Zeichen der Achtung. Respektvolle Anpassung an die Erwartungshaltung der Gastgeber in Sachen Kommunikation, Verhalten und Kleidung sichert einen herzlichen Empfang und beruflichen Erfolg. Wir bringen euch hier ein paar Beispiele kultureller Unterschiede. Dazu lassen wir die Grenzen 04 Vienna Business Times #3/10 Culture ClasH: Von offenen türen und stillem läCHeln „Andere Länder, andere Sitten“: Eine Redensart, die oft spöttisch benutzt wird, bewahrheitet sich im internationalen Geschäftsleben immer wieder. Manchmal scheitern große Ziele und Pläne an kleinen Unachtsamkeiten, die das kulturelle Empfinden des Einzelnen stören. Wer sich auf den „cultural clash“ gut vorbereitet, dem wird hingegen Wertschätzung und Vertrauen entgegengebracht. Europas hinter uns und besuchen drei der größten Volkswirtschaften der Erde. Land of the free. Die Vereinigten Staaten gehören nach wie vor zu den beliebtesten Jobdestinationen von ÖsterreicherInnen. „The American Way of Life“ und die ungeahnten Möglichkeiten, sich in seiner Karriere zu verwirklichen, lassen viele junge Menschen den „american dream“ träumen. Auch wenn die jungen europäischen Generationen medial sehr von der amerikanischen Kultur geprägt sind, gibt es doch einige kulturelle Unterschiede, die im Geschäftsleben zu beachten sind. In Amerika fällt es schnell auf, dass auch Mitarbeiter unterschiedlicher Hierarchiestufen sich stets beim Vornamen nennen. In österreichischen Firmenkulturen setzt sich dieser fast freundschaftliche Umgang erst langsam durch. Das hat weniger mit dem Fehlen der Höflichkeitsform „Sie“ zu tun, sondern wird durch die „open door policy“ als fixer Bestandteil der Arbeitskultur in den USA begünstigt. Dadurch sollen ein direkter Austausch und die Kommunikation in allen Organisationseinheiten und Hierarchiestufen einer Firma bewusst gefördert werden. Auch der Stil im Entscheidungsprozess unterscheidet uns deutlich. Während Deutsche und Österreicher gerne lange und ausgiebig prüfen, scheint es, dass Amerikaner einfach „losstürmen“, um eine Sache anzupacken. Diplom­ Psy chologe Mark Lesselroth, der in beiden Ländern lange gearbeitet hat, charakterisiert den amerikanischen Arbeitsstil mit „shoot first and ask questions later“ und den deutschen „ask questions till they drop dead“. Da trifft er den Nagel auf den Kopf! Der Ferne Osten. China und Indien sind die bevölkerungsreichsten Volkswirtschaften der Welt und haben in den letzten Jahren ein enormes Wirtschaftswachstum verzeichnet. Internationale Konzerne drangen verstärkt „Shoot first and ask questions later!“ (Diplom-Psychologe Mark Lesselroth über Kommunikationsstil in den USA) in diese Märkte vor und ziehen daher eine Vielzahl an MitarbeiterInnen aus dem Westen an. Für „Landneulinge“ ist hier das Aufeinanderprallen am deutlichsten spürbar, und oft treten sie in die „Fettnäpfchen“ der für sie

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